Wenn die letzten Pinguine ins Exil gehen
Von Michaela Adick (Heilbronner Stimme 4. Aug. 2007)
Heilbronn - Eingekuschelt in einer Ecke liegen sie, die riesigen Krakenfiguren, die einem Horrorkabinett entsprungen sein könnten: Die filigranen Beine aus Weichblech, die Herzen aus einem Schleudergebläse, liegen sie in stiller Eintracht in einer Ecke des Kunstvereins übereinander und geben ein gar schauerliches Gekrächze von sich.
„Die Spinne und die Weltmusik“ hat der Lauffener Orgelbauer und Installationskünstler Klaus Rensch seine Klanginstallation genannt, getreu dem Motto, dass, wenn die Menschheit längst ausgestorben ist, Ratten und Asseln, Spinnen und Käfer die Weltherrschaft an sich reißen werden. Der Grundtenor der Jahresausstellung des Künstlerbundes beim Kunstverein Heilbronn mit dem leicht spöttischen Titel „Prima Klima“ ist, um es vorsichtig zu sagen, von einem dezenten Pessimismus durchzogen.
Vielseitig 25 Versuche einer Annäherung an den Klimawandel gilt es nun zu entdecken, 25 künstlerische Positionen, die auf eine mal ironische oder politische, mal eine rein deskriptive Art und Weise Stellung zur aktuellen Diskussion nehmen. So vielfältig der Ansatz ist, so vielseitig ist auch der künstlerische Ausdruck: Tafelbilder und Cartoons beschäftigen sich mit der Klimadiskussion ebenso wie Keramiken und Installationskunst. Durch eine geschickte Hängung, die interessante Durchblicke ermöglicht, gewinnt die Schau, die bis zum 26. August zu sehen ist, an Substanz.
Da ist etwa Dagmar Gemmrich, die in ihrer Installation einen gefurchten, ausgedörrten Lehmboden zeigt, der dank Eiswürfel und Blüten zum Leben erweckt werden soll: Das Auge schweift weiter und bleibt bei einer Arbeit von Horst Schwarz hängen, der Lehmboden in einer aufgerissenen Heringsdose zeigt. Und es sieht nicht gut aus auf der Welt: Die Erde verbrennt, und Volkmar Köhler baut sich seine Instant-Palme aus Teilen einer alten Solaranlage. Die Erde schreit auf, und Brigitta Loch zeigt in einer Installation, in der sie einem Acrylbild mit Boatpeople ein zerschundenes Boot gegenüberstellt, Flüchtlinge, die von einer Hungersnot aufs Meer getrieben werden. Die Pole schmelzen, und Petra Scheuermann lässt in einem Cartoon die letzten Pinguine von einem italienischen Eismann mit seinem Gelati-Wägelchen abholen.
Sehnsuchtsbilder Und wo bitte bleibt das Positive? Joachim Bertsch und Crina Fleischmann zeigen vertrackte Sehnsuchtsbilder. Otto F. Häusler zieht sich geschickt aus der brenzligen Situation und zeigt drei Arbeiten mit dem verführerischen Titel „Bach-Suite“. Johann Sebastian Bach, so Häusler, würde bei ihm persönlich halt immer für gutes Klima sorgen. Klima als Zeichen der eigenen Befindlichkeit? Warum eigentlich nicht. Es gibt viel zu sehen, auf dieser Jahresausstellung.